Änderungsbelege bei der Migration von SAP ECC 6.0 nach SAP S/4HANA
Warum die Historie von Stammdaten häufig verloren geht – und welche Folgen das hat
Bei der Migration von SAP ECC 6.0 nach SAP S/4HANA stehen meist Themen wie Datenübernahme, Prozessharmonisierung, Business Partner oder die Einführung neuer S/4HANA-Funktionen im Fokus. Ein entscheidender Aspekt wird dabei jedoch häufig unterschätzt:
Was passiert mit der Änderungshistorie der Stammdaten?
In vielen Projekten lautet die ernüchternde Antwort:
Die Historie bleibt im Altsystem zurück.
Das unterschätzte Problem der Änderungsbelege
In SAP-Systemen werden Änderungen an Stammdaten standardmäßig über sogenannte Änderungsbelege dokumentiert. Technisch erfolgt dies typischerweise über Tabellen wie:
- CDHDR (Änderungsbelegkopf)
- CDPOS (Änderungsbelegpositionen)
Dadurch lässt sich nachvollziehen:
- wer eine Änderung durchgeführt hat
- wann die Änderung erfolgt ist
- welche Werte geändert wurden
- wie sich ein Objekt historisch entwickelt hat
Gerade bei zentralen Stammdatenobjekten wie:
- Geschäftspartnern
- Debitoren/Kreditoren
- Materialstämmen
- Sachkonten
- Kostenstellen
ist diese Historie häufig von hoher fachlicher und revisionsrelevanter Bedeutung.
Warum die Historie bei Greenfield-Ansätzen oft verloren geht
Bei vielen Greenfield-Transformationen wird ein komplett neues SAP S/4HANA-System aufgebaut. Dabei werden meist nur:
- aktuelle Stammdaten
- Bewegungsdaten
- offene Posten
- relevante Bestände
migriert.
Die zugehörigen Änderungsbelege bleiben hingegen häufig im SAP ECC-Altsystem zurück.
Der Grund dafür liegt unter anderem in:
- dem hohen Datenvolumen
- komplexen Datenbeziehungen
- geänderten Datenmodellen in S/4HANA
- dem zusätzlichen Aufwand bei Mapping und Transformation
In vielen Projekten wird daher bewusst entschieden:
Die Historie bleibt im Read-only-Altsystem.
Die Folgen in der Praxis
Was zunächst pragmatisch erscheint, führt später oft zu erheblichen Nachteilen.
Fehlende Nachvollziehbarkeit
Eingeschränkte Transparenz
Historische Entwicklungen eines Objekts sind nicht mehr direkt am Objekt sichtbar.
Medienbrüche
Anwender wechseln zwischen mehreren Systemen oder Archivlösungen.
Abhängigkeit vom Altsystem
Zusätzliche Betriebs- und Archivkosten
Read-only-Systeme müssen häufig über Jahre weiterbetrieben werden.
Häufige Umgehungslösungen
Um die fehlende Historie zu kompensieren, werden in Projekten häufig zusätzliche Lösungen aufgebaut:
- Read-only-Betrieb des ECC-Systems
- Externe Archivsysteme
- Individuelle Reportinglösungen
- Historische Datenbanken
- Eigenentwicklungen für Historienabfragen
Diese Ansätze lösen das Grundproblem jedoch nur teilweise:
Die Historie bleibt technisch und fachlich vom eigentlichen Objekt getrennt.
Der integrierte Ansatz: Änderungsbelege nach S/4HANA migrieren
Ein moderner Migrationsansatz sollte nicht nur Daten übernehmen, sondern auch deren vollständige fachliche Historie erhalten.
Mit unserem Migrationstool X4H verfolgen wir deshalb einen anderen Weg:
Die Änderungsbelege der migrierten Stammdaten werden vollständig nach SAP S/4HANA übernommen.
Dadurch bleibt die komplette Historie weiterhin:
- direkt am Objekt sichtbar
- mit SAP-Standardmitteln auswertbar
- revisionssicher nachvollziehbar
Historie bleibt erhalten – auch bei Umschlüsselungen und Mapping
Besonders wichtig:
Auch bei komplexen Transformationen bleibt die Nachvollziehbarkeit erhalten.
Dazu gehören beispielsweise:
- Umschlüsselungen von Konten
- neue Nummernkreise
- Business-Partner-Konvertierungen
- Harmonisierung von Stammdaten
- organisatorische Neuordnungen
- Prozess-Redesigns
Die historische Entwicklung eines Objekts bleibt dennoch konsistent und nachvollziehbar im Zielsystem verfügbar.
Ein gemeinsamer Datenbestand statt getrennter Welten
Ein weiterer Vorteil des integrierten Ansatzes:
Historische Änderungsbelege aus SAP ECC und neue Änderungsbelege in SAP S/4HANA befinden sich in einer gemeinsamen Datenbasis.
Für Anwender bedeutet das:
- keine getrennten Systeme
- keine Archivsuche
- keine Spezialtransaktionen
- keine Medienbrüche
Die gewohnten SAP-Standardfunktionen können weiterhin genutzt werden.
Fazit
Die Migration nach SAP S/4HANA ist nicht nur eine technische Datenübernahme – sie entscheidet auch darüber, wie transparent und nachvollziehbar Geschäftsobjekte künftig bleiben.
Während viele Migrationsansätze die Historie im Altsystem belassen, ermöglicht ein integrierter Ansatz die vollständige Übernahme der Änderungsbelege direkt nach SAP S/4HANA.
So bleiben Stammdaten nicht nur erhalten – sondern auch ihre gesamte Geschichte.
